Violence II zeigt die Dynamik der früheren Skulpturen ins Explosionsartige
gesteigert. Aus einer Stahlplatte geschnittene Fetzen, Bruchstücke,
Splitter, die Teile einer zerstückelten Fläche, sind zu einem
neuen Gebilde zusammengefügt - gefaltet, geknickt, gebrochen, verdreht,
zerschnitten, aufgeschlitzt. Die Basisplatte bewahrt noch einen Bezug
zur unversehrten Fläche. Das Neue reißt sich davon los, wächst
aus der flachen Schräge immer steiler empor, erreicht aber nie die
reine Senkrecht. Das Ganze ist nach links gerichtet. Kein himmelstürmender
Aufschwung. In immer neuen Anläufen wird angekämpft gegen etwas,
Höhe und Raum gewonnen. Angekämpft wogegen? Vielleicht gegen
etwas, das gewaltsam niederdrückt, das an den Boden fesselt, wo keine
Entfaltung möglich ist, das die freie Entwicklung einer Gestalt im
Raum nicht zuläßt.
Die Skulptur Violence II ist hervorgegangen aus der Zertrümmerung
alter figürlicher Ordnung. Sie ist durch die Gewalt des Zerstörens
hindurchgegangen und trägt die Male eines Bruchs, eines Risses an
sich. Sie erinnert an Reste einer geborstenen Architektur. Was früher
einen Lebensraum umfangen hat, ist nun aufgebrochen, einer offenen Wunde
gleich.
Immer noch aber gibt es bergendes Umfangen. Wie Schilde sind einige splittrige
Teile so gestellt, daß ein Innenraum entsteht, der doch nach allen
Seiten hin offen bleibt. Ein jeder der Teile, fragmentarisch wie er ist,
trägt dazu bei, daß eine Ansammlung versehrter, labiler, aus
früheren Zusammenhängen gerissener Trümmer zur Gestalt
eines Aufbruchs wird. Mit der Zerstörung der alten Form ist eine
Entfaltung der Fläche in die neue Dimension des Raumes möglich
geworden. Ein Aufbruch, der etwas hat von der Verletzlichkeit und dem
Ungeschützten eines Wesens, das sich ganz preisgibt.
Dr. Gustav Schörghofer, SJ
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